Free Palestine
(english below) Ich sitze am Küchentisch, es wird so langsam hell. 4.36 Uhr. Der Tee ist fertig, in der Kanne die ich im letzten Jahr auf der Straße gefunden habe, über die ich mich immer noch jeden Tag freue. Ich schenke mir gleich die erste Tasse ein.
Gestern Nacht war ich auch um diese Uhrzeit wach als mein Partner ins Bett kam. Er war lange wach, konnte nicht schlafen, musste verarbeiten was er von Rafah gehört und gesehen hat. Als er mir davon berichtete musste ich sofort heftig weinen, mit unserer schlafenden zweijährigen Tochter zwischen uns. Davor hatten wir lange Angst, ein brutaler Angriff auf ein Zeltlager in Rafah in einer sogenannten “Humanitären Zone”, die es so schon seit Oktober nicht gibt. Es gibt keinen sicheren Ort in Gaza.
Deutschlands Haltung und das Schweigen gegenüber dem monatelangen terroristischen Vorgehen Israels gegen die Zivilbevölkerung in Gaza und im Westjordanland sind ein verzweifelter Versuch, jegliche kritische Stimmen zu unterdrücken. Sogar jüdische Mitbürger:innen werden als antisemitisch dargestellt, wenn sie sich gegen diesen Terror aussprechen. Dabei profitiert Deutschland mit über 30% der Waffenlieferungen an Israel und legitimiert so einen Genozid im Zusammenhang mit den USA.
Schon im Oktober war klar, dass das Vorgehen Israels gegen die Palästinenser:innen absolut menschenverachtend und falsch ist. Seit 76 Jahren werden sie systematisch vertrieben, unterdrückt, gefoltert und ermordet. Täglich sehen wir die Bilder dieser Gräueltaten live auf unseren Bildschirmen - zerstückelte Babys, Kinder, Eltern und Großeltern. Erinnern Sie sich an das halb zerrissene Mädchen Sidra, das im Februar in Rafah mit abgetrennten Beinen an einem Zaun hing? Sie und das geköpfte Baby gestern aus Rafah sind leider nur Spitze des Eisbergs.
Immer wieder frage ich mich, wer die Macht hat, diesen Horror zu beenden. Würde so etwas in Frankreich passieren, die Welt würde brennen. Das Schweigen Deutschlands zeigt, wie tief der Rassismus hierzulande verankert ist. Wir haben die Möglichkeit, einfach wegzuschauen, weil sie "nicht unsereins" sind. Und laut Regierungspolitik stehen wir ja solidarisch hinter Israel. Das ist mehr als nur beschämend - ich distanziere mich in jeder erdenklichen Weise von dieser Haltung.
Letzte Woche besuchte ich eine einzigartige Veranstaltung, die "Familien für Gaza" hieß. Viele Protest Veranstaltungen hier in Berlin finden leider oft zu Uhrzeiten statt, die für mich als Mutter ungünstig sind. Dennoch gehen wir regelmäßig zu Demonstrationen und nutzen unsere sozialen Medien, um unsere Stimme jeden Tag für den Frieden zu erheben. Aber manchmal wünsche ich mir, noch mehr tun und mich mit Menschen verbinden zu können, die ihr Menschsein nicht verloren haben. Bei "Familien für Gaza" sangen und tanzten palästinensische Musiker:innen, es gab unglaublich leckeres Essen, Siebdrucke wurden hergestellt und verkauft, T-Shirts bemalt und es fand ein Kinderflohmarkt statt. Insgesamt kamen mehr als 3500 Euro zusammen, die an Kinderhilfsorganisationen in Gaza gespendet wurden. Die palästinensische Kultur wurde dort gefeiert und gewürdigt - es war einfach unglaublich schön und heilsam.
Auch die Grieving Doves gehen jede Woche auf die Straße, organisieren Trauermärsche und machen "Name-writing-Sessions", bei denen sie einladen die Namen aller ermordeten Menschen auf weiße Bänder zu schreiben. Daraus formen sie die Flügel ihrer "Grieving Doves". Ich hatte die Ehre, sie bei einem Trauermarsch in Neukölln fotografieren zu dürfen. Meine Tochter trug ich dabei in der Trage auf dem Rücken. Sie hat alles aufgesogen und gesehen, wie unglaublich kraftvoll es ist, wenn Menschen in Liebe und Verletzlichkeit zusammenkommen.
Wir alle haben eine Stimme, und ich hoffe, du nutzt deine! Wir müssen uns informieren und unsere Stimmen erheben, das ist das Einzige, was wir tun können. Und wenn wir es alle gemeinsam tun, dann ist das schon sehr viel. Ich habe große Hoffnungen in die studentischen Bewegungen weltweit, einschließlich hier in Deutschland. Vor allem habe ich Hoffnung in die Kraft des Kollektivs - denn vielleicht ist das die einzige Macht, die diesem Wahnsinn ein Ende setzen kann.
Nur wenn wir alle unsere Stimmen erheben und vereint für Gerechtigkeit eintreten, können wir etwas bewirken. Lass uns diese Hoffnung nicht aufgeben, sondern gemeinsam daran arbeiten, Veränderung herbeizuführen. Nur so können wir diese furchtbaren Zustände in Palästina endlich beenden. FREE PALESTINE!
I'm sitting at the kitchen table, and it's slowly getting light. 4:36 am. The tea is ready, in the pot I found on the street last year, which I'm still so happy about every day. I'm about to pour myself the first cup.
I was also awake at this time last night when my partner came to bed. He had been up for a long time, couldn't sleep, had to process what he heard and saw from Rafah. When he told me about it, I immediately burst into tears, our two year old daughter sleeping in-between us. Before that, we had been very worried for weeks, a brutal attack on a refugee camp in Rafah in a so-called "humanitarian zone" that hasn't existed since October. There is no safe place in Gaza.
Germany's stance and the silence towards Israel's terrorist actions against the civilian population in Gaza and the West Bank for months are a desperate attempt to suppress any critical voices. Even Jewish citizens are portrayed as anti-Semitic if they speak out against this terror. Germany is profiting with over 30% of weapon deliveries to Israel and thus legitimizing a genocide in connection with the USA.
It was clear as early as October that Israel's actions against the Palestinians are absolutely inhumane and wrong. For 76 years, they have been systematically displaced, oppressed, tortured and murdered. We see the images of these atrocities live on our screens every day - dismembered babies, children, parents and grandparents. Remember the half-torn 7 year old girl Sidra who hung on a fence in Rafah in February with severed legs? She and the beheaded baby from Rafah yesterday are just the tip of the iceberg.
I keep asking myself who has the power to end this horror. If something like this happened in France, the world would be on fire. Germany's silence shows how deeply rooted racism is here. We have the option of simply looking away because they are "not one of us". And according to government policy, we stand in solidarity with Israel. That is more than just shameful - I distance myself in every possible way from this stance.
Last week I visited a unique event called "Families for Gaza". Many protest events here in Berlin unfortunately take place at times that are inconvenient for me as a mother. Nevertheless, we regularly go to demonstrations and use our social media to raise our voice for peace every day. But sometimes I wish I could do more and connect with people who haven't lost their humanity. At "Families for Gaza", Palestinian musicians sang and danced, there was incredibly delicious food, silkscreens were made and sold, T-shirts were painted, and there was a children's flea market. In total, more than 3,500 euros were raised and donated to child aid organizations in Gaza. Palestinian culture was celebrated and honored there - it was just incredibly beautiful and healing.
The Grieving Doves also go out on the streets every week, organizing memorial marches and holding "name-writing sessions" where they invite people to write the names of all the murdered people on white ribbons. They then use these to form the wings of their "Grieving Doves". I had the honor of being able to photograph them at a memorial march in Neukölln. I carried my daughter on my back in a carrier. She absorbed everything and saw how incredibly powerful it is when people come together in love and vulnerability.
We all have a voice, and I hope you use yours! We have to educate ourselves and speak up, that's the only thing we can do. And if we all do it together, that's a lot. I have great hope in the student movements worldwide, including here in Germany. Above all, I have hope in the power of the collective - for perhaps it is the only power that can put an end to this madness.
Only when we all raise our voices and unite for justice can we achieve something. Let's not give up this hope, but work together to bring about change. Only then can we finally end these terrible conditions in Palestine. FREE PALESTINE!